Cowork ist nun GA und was heisst es konkret? Das Spielen mit KI ist nun vorbei und es geht um Optimierung und Verbesserung in einer gezielten und begrenzten Nutzung.
Teil 1: Was ist Copilot Cowork – und welche KI-Modelle stecken dahinter? 1
Am 16. Juni 2026 hat Microsoft die allgemeine Verfügbarkeit von Copilot Cowork weltweit bekannt gegeben. Was zunächst wie ein weiteres KI-Feature klingt, ist in Wirklichkeit ein grundlegend neues Konzept innerhalb von Microsoft 365: Cowork führt komplexe, lang andauernde Aufgaben mit mehreren Werkzeugen aus. Man definiert die Arbeit – und Cowork erledigt sie von Anfang bis Ende und liefert ein fertiges Ergebnis zurück, keinen Entwurf und keine Empfehlung.
Rekordschnelles Wachstum
Cowork ist das am schnellsten gewachsene Feature in der Geschichte des Frontier-Programms von Microsoft und gehört zu den am besten bewerteten Copilot-Erfahrungen, die Microsoft je ausgeliefert hat. Nach drei Monaten in der Vorschau nutzt mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen Copilot Cowork, darunter Accenture, Avanade, Capital Group, Koch, Ooredoo Qatar und Zurich Insurance.
Was haben diese Unternehmen konkret damit gebaut? Ein Engineering-Team lehrte Cowork, Batch-Job-Tabellen sicher zu bearbeiten und nach jeder Änderung Abhängigkeits-Flussdiagramme zu generieren – Arbeit, die vorher sorgfältige manuelle Eingriffe erforderte. Ein anderes Team verglich fast 4.000 Dateien aus zwei Produktversionen – Arbeit, die Wochen gedauert hätte. Eine Vertriebsleitung richtete Cowork auf eine ins Stocken geratene Pipeline und bekam eine priorisierte Liste gefährdeter Opportunities zurück, mit genau der Nachverfolgungsmail, die bei jeder Gelegenheit kalt geworden war – und kollabierte so eine Woche manueller Analyse auf einen einzigen Morgen.
Was macht Cowork grundlegend anders?
Cowork ist darauf ausgelegt, genauer, sicherer und kostengünstiger als andere Angebote zu sein. Fünf Faktoren machen das möglich: Cloud-Hosting bedeutet, dass Dateien nicht lokal gespeichert werden, Sicherheit streng durchgesetzt wird und Aufgaben weiterlaufen, auch wenn der Laptop aus ist. Work IQ verankert jede Aufgabe in den Systemen, auf denen das Unternehmen bereits läuft. Enterprise-Sicherheit stellt sicher, dass Cowork innerhalb der Microsoft 365 Trust Boundary operiert. Das Multi-Modell-Design lässt Cowork die Modelle einsetzen, die eine Aufgabe braucht. Und die niedrigeren Kosten entstehen durch eine Runtime, die effizient die richtigen Informationen und Werkzeuge findet.
Die verfügbaren KI-Modelle
Hier liegt einer der stärksten Unterschiede zu anderen KI-Lösungen: Cowork ist nicht an ein einziges Modell gebunden. Man ist nicht auf ein Modell festgelegt – man kann das effizienteste Modell oder Frontier-Modelle verwenden.
Zum GA-Start stehen folgende Modelle zur Verfügung:
| Modell | Verfügbarkeit | Charakteristik |
|---|---|---|
| Anthropic Claude Opus 4.8 | GA (Standard) | Leistungsstärkstes Modell, Basis für den Preisrechner |
| Anthropic Claude Sonnet 4.6 | GA | Schneller, kostengünstiger für mittlere Aufgaben |
| GPT 5.5 | Frontier-Programm | OpenAIs neuestes Modell für Early Adopters |
| Cowork 1 | In Kürze | Microsofts eigenes Modell, deutlich günstiger |
Das neueste Modell, Cowork 1, wird ein sicheres, fein abgestimmtes Modell sein, das in den kommenden Wochen erscheint und darauf post-trainiert wurde, Aufgaben zu einem wesentlich niedrigeren Preis zu bewältigen. Cowork 1 soll optimale Kosten, Qualität und unternehmenstaugliche Nutzung liefern – einschließlich der Beseitigung von Modell-Bias. Es ist darauf ausgelegt, alltägliche Copilot-Aufgaben zu wesentlich niedrigeren Kosten zu erledigen, was es zu einer starken Option für kostensensible Workloads macht.
Neue Features zur GA
Neun neue Partner-Plugins sind ab sofort verfügbar: Enosix, Harvey, LSEG, Miro, monday.com, Moodys, Morningstar, S&P Global Energy und TeamsMaestro. In Kürze folgen Adobe, Atlassian, Box, Canva, CB Insights, Databricks, MoneyForward und Templafy.
Im Frontier-Programm kann Cowork das Web über einen lokalen Edge-Browser durchsuchen und dabei die unternehmensweiten Richtlinien einhalten, die für die Nutzer bereits gelten.
Achtung Datenverarbeitung nicht innerhalb der EU Boundary
Im Rahmen der Datenverarbeitung besteht auch zum GA keine EU Boundary, also keine Datenverarbeitung in der EU für EU Kunden. Dies ist auch eine der Ausnahmen, die wir nicht erwartet hatte. Denn normalerweise werden Funktionen zum GA auch so zur Verfügung gestellt, dass eben keine weltweite Verarbeitung möglich ist.
Teil 2: Das neue Preismodell – Was kostet Copilot Cowork wirklich?
Das Preismodell von Cowork folgt einem klaren Zwei-Schichten-Prinzip. Wer es einmal verstanden hat, kann Budgets verlässlich planen.
Schicht 1: Die feste Lizenz
Copilot Cowork setzt die Microsoft 365 Copilot User Subscription License (USL) voraus. Die Nutzer werden dann für Cowork auf nutzungsbasierter Basis abgerechnet, wobei die Kosten durch die Aufgaben bestimmt werden, die sie ausführen.
Die Microsoft 365 Copilot USL umfasst ein vollständiges KI-Produktivitätserlebnis: Copilot Chat, Copilot in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams, die Work IQ Kontext-Engine, ein Multi-Modell-System, vorgefertigte Agents wie Researcher und Analyst sowie benutzerdefinierte Agents aus dem Agent Builder – alles für eine vorhersehbare monatliche Gebühr pro Nutzer.
In Deutschland gilt aktuell folgender Listenpreis (zzgl. MwSt.):
| Plan | Aktionspreis (bis 30.06.2026) | Normalpreis |
|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot Business | € 15,60 / Nutzer / Monat | € 18,20 |
| Microsoft 365 Copilot Enterprise | € 27,60 / Nutzer / Monat | ca. € 30,00 |
Alle Preise zzgl. gesetzlicher MwSt. (19 % in Deutschland)
Schicht 2: Copilot Credits (nutzungsbasiert)
Die Abrechnung erfolgt auf Nutzungsbasis, denominiert in Copilot Credits, und der Preis für jede Aufgabe ergibt sich aus vier Eingaben: Modellnutzung, Kontext-Abruf, Tool-Aufrufe und Laufzeit.
Der Preis: PayGo wird mit $0,01 pro Copilot Credit berechnet – das entspricht bei aktuellem Kurs ca. € 0,009 pro Credit.
Capacity Packs kosten $200 pro Tenant und Monat und umfassen 25.000 Copilot Credits. Credits verfallen monatlich und werden im Voraus bezahlt. Wer größere Volumina plant, kann sich per P3-Plan (Pre-Purchase) im Voraus ein Jahresvolumen mit Rabatt sichern.
Die drei Aufgabenkategorien 1
Aus der Nutzung im Frontier-Programm wurden drei typische Aufgabenmuster beobachtet: Leichte Aufgaben nutzen eine kleine Anzahl von Wissensquellen, wenden begrenzte Überlegungen an und erzeugen ein oder keine Ausgaben. Mittlere Aufgaben nutzen mehrere Quellen, wenden strukturiertes Denken an und erzeugen zwei oder mehr Ausgaben. Schwere Aufgaben aggregieren breit, wenden tiefes Denken an und erzeugen viele Ausgaben. 2
Die Credit-Spannen kommen aus Microsofts GA-Blog – sie sind als illustrative Schätzwerte zu verstehen, keine festen Abrechnungsstufen:
| Aufgabentyp | Beispiel | Credits | ca. Kosten (PayGo) |
|---|---|---|---|
| Leicht | Montags-Statusbericht | 100–300 | |
| Mittel | Meeting-Brief + Excel + Folie | 400–700 | |
| Schwer | 6-Monats-Nutzungsdaten → Führungsbericht | 700+ |
Diese Spannen gehen von Anthropic Opus 4.8 aus.
Praxisbeispiele für Deutschland
Konkret bedeutet das: Content-Verarbeitung kostet 8 Credits pro Seite – das macht die Kalkulation für Dokumentenanalysen besonders einfach:
| Aufgabe | Credits | Kosten (PayGo, ca.) |
|---|---|---|
| Eine PDF-Seite analysieren | 8 | ~ € 0,07 |
| 10-seitiges Dokument zusammenfassen | 80 | ~ € 0,74 |
| 50-seitiges Dokument vollständig auswerten | 400 | ~ € 3,72 |
| Wochenbericht aus E-Mails & Terminen | 100–300 | ~ € 0,93 – 2,79 |
| Kundenangebot vorbereiten (mehrere Quellen) | 350 | ~ € 3,26 |
| Vertriebspipeline analysieren & priorisieren | 550 | ~ € 5,11 |
| Monatsbericht für Geschäftsführung (Opus 4.8) | 900 | ~ € 8,37 |
Zur Einordnung: Cowork ist im Schnitt 130–40 % günstiger als Claude Cowork mit dem Microsoft 365 Connector – bei gleichen Modellen.
Kostenkontrolle für IT-Admins
Kunden entscheiden selbst, wann Cowork aktiviert wird, wer Zugang erhält und wie viel ausgegeben werden kann. Cowork ist standardmäßig deaktiviert. Admins entscheiden, wann Cowork im Tenant aktiviert und wer Zugang erhält.
Ausgabenlimits auf Tenant-, Gruppen- und Benutzerebene: Admins erstellen abgegrenzte Abrechnungsrichtlinien und definieren Budgets, einschließlich benutzerbezogener Obergrenzen innerhalb von Gruppenpolicys. Anpassbare Nutzungswarnungen: Admins legen die Schwellenwerte fest, die für ihre Organisation wichtig sind, und entscheiden, wer benachrichtigt wird, wenn die Ausgaben diese Schwelle überschreiten.
Tenants, bei denen mindestens ein Nutzer im Frontier-Programm (30. März bis 16. Juni) Cowork genutzt hat, erhalten eine Übergangsfrist und werden nicht vor dem 1. Juli 2026 abgerechnet.
Der neue Punkt zur Navigation – Administration Cowork
Im folgenden Screenshot könnt ihr die Ansicht ohne hinterlegtem Kostenprofil sehen. Hier ist es möglich Limits einzuführen und entsprechende Azure Subskription hinterlegt worden sind.

https://admin.cloud.microsoft/?#/copilot/cowork
Die Preisübersicht auf einen Blick
Die folgende Grafik zeigt die Kosten nach Aufgabentyp und typische Praxisbeispiele aus dem deutschen Unternehmensalltag:

(Grafik KI generiert)
Fazit
Copilot Cowork ist kein Chatbot-Upgrade. Es ist ein Schritt in Richtung echter KI-basierter Aufgabendelegation – sicher, nachvollziehbar und direkt in der gewohnten Microsoft 365 Umgebung. Das nutzungsbasierte Preismodell ist mit Credits transparent und kalkulierbar: Wer weiß, welche Aufgaben er delegiert, kann die Kosten präzise vorhersagen. Für ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland bedeutet das oft wenige Euro pro komplexer Aufgabe – mit einem ROI, der sich bereits beim ersten eingesparten Arbeitstag rechnet.
Quellen: Microsoft 365 Blog – Copilot Cowork is now generally available · Microsoft Learn – Copilot Credits · Microsoft 365 Copilot Preisseite (DE)